head_1.gif (168 bytes) head_2.gif (1742 bytes)
london.gif (388 bytes)
flag.gif (2923 bytes)
site_map.gif (317 Byte)help.gif (189 bytes)homepage.gif (364 bytes)
 


 

 

 

 

 


Aktuelles


Adressen &
Publikationen

Fakten über
Dänemark

Politik

Wirtschaft &
Verkehr

Arbeit, Bildung &
Soziales

Nahrungsmittel &
Landwirtschaft
 
Umwelt & Energie
 
Verteidigung
 
Konsulat
 
Über die Botschaft


Kennzeichen DK
Nr. 52: "Die Øresund-Region"
ANNESOFIE BECKER
KULTURELLE ZUSAMMENARBEIT: GRENZEN AUFBRECHEN HEISST NEUE BAUEN


Der Øresund, lange Zeit ein trennendes Gewässer, wird in Zukunft ein Gewässer sein, das verbindet. Die Brücke ist deutlicher Beweis für einen politischen Gestaltungswillen von ganz neuer Qualität. Eigentlich ein Sammelsurium von Küstenstreifen und Kulturland, großen und kleinen Städten, ist das Gebiet durch die infrastrukturelle, technologische und politische Entwicklung - und zum netten Preis von 25 Mrd. Mark - im Begriff, zu einer Region zusammenzuwachsen. Doch wie wird diese neue, zwei Nationalstaaten verbindende Region - trotz der Nachbarschaft und der besonderen historischen Verbindung zwischen Dänemark und Schonen - mit ihren äußeren und inneren Grenzen umgehen? Wird die Sicht, aus der man den Øresund als natürliche Grenze verstanden hatte, durch eine neue ersetzt werden? Wird die Bevölkerung beiderseits des Sunds die Welt aus einer gemeinsamen Øresunds-Perspektive betrachten und ihre alten, aus der nationalen Zugehörigkeit abgeleiteten Sichtweisen aufgeben? Oder wird die Schaffung einer neuen Region vielmehr das Ziehen neuer Grenzen bedingen, so daß Dänemark sich in eine Ost- und eine Westregion und Schweden in eine entsprechen Nord- und Südregion auflösen werden?

Die Entstehung einer neuen Region handelt in der Tat davon, Grenzen - seien es symbolische, geographische, wirtschaftliche oder politische - aufzubrechen, zu verschieben und neue zu ziehen. Grenzen mögen vergänglich sein, doch immerzu werden neue entstehen. Und zu einer Region, sei es eine neue oder eine alte, gehört stets auch eine Umwelt, gegen die eine Abgrenzung vorgenommen wird. Wenn mit der Øresund-Region nicht auch neue Grenzen gezogen werden, dann wird die Brücke nicht zwischen den beiden Ländern geschlagen, sondern über sie hinweg. Dann werden es nicht Seeland und Schonen sein, die durch die Brücke verbunden werden, sondern Stockholm, Hamburg und Berlin. Deshalb ist es nötig, nach innen hin gemeinsame Visionen, Symbole und Identifikationsträger, die eine regionale Identität aufbauen und stärken, zu entwickeln. Viel zu leicht übersieht man, daß große Einheiten immer auch Raum für kleinere schaffen. So wie die Globalisierung dem Heimatgefühl neuen Raum bietet, so werden auch Schonen und Seeland als Provinzen in der gemeinsamen Region aufleben. Im Gegenzug wird es nicht länger klar sein, was Zentrum ist und was Peripherie. Dies wird eine Frage sein, die ein jeder für sich selbst beantworten muß.

Als mögliche Antwort auf diese Fragestellung wurde 1997 der Fond Kulturbro 2000 gegründet, eine schwedisch-dänische Initiative, deren primäre Aufgabe es ist, eine Biennale für Kunst und Kultur in der neuen Region ins Leben zu rufen. Im Herbst werden mehr als 100 Museen, Konzerthäuser, Tanz- und Theaterbühnen ihre Pforten für eine Reihe von Ausstellungen, Aufführungen und Musikveranstaltungen auf hohem künstlerischen Niveau öffnen. Der Fond hat sich entschieden, auf die bestehenden Kulturinstitutionen in der Region zu bauen und mit ihrer Hilfe die Øresund-Region als Region mit einem eigenen, gut entwickelten Kulturleben darzustellen. Indem die üblichen eventgeprägten Veranstaltungen gemieden werden, demonstriert man eine gemeinsame kulturpolitische Verantwortung. Die Kulturinstitutionen sind jede für sich verantwortlich für ein Stück des Kulturerbes. Und die Verwaltung des Kulturerbes mit den hieraus resultierenden Brüchen ist es, die eine der zentralen Fragen im Kontext der Regionenbildung darstellt. Kulturbro 2000 bietet damit die einzigartige Möglichkeit, auf die kulturellen Unterschiede hinzuweisen und zugleich die starken lokalen Bindungen zwischen Dörfern und Städten sichtbar zu machen. Gerade die gegenseitige Bindung, die Gemeinsamkeit in der Verschiedenheit, ist es, die so kennzeichnend für die Region rings um den Øresund ist. Somit gilt es, den Blick der Umwelt auf die Region als besonderen, von Gegensätzen erfüllten und in vielerlei Hinsicht sonderbaren Ort auf der Landkarte zu lenken: auf eine Region, die aus zwei nationalen Zugehörigkeiten und ungleich mehr kulturellen Einflüssen zusammengsetzt ist. Diese Gelegenheit darf nicht ungenutzt bleiben.

Annesofie Becker ist Sekretariatsleiterin beim Fond Kulturbro 2000.


zurück zu Kennzeichen DK Nr. 52
zurück zu Adressen & Publikationen
zurück zu Aktuelles
© Königlich Dänische Botschaft, Berlin
head_6.gif (356 bytes)