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Kennzeichen
DK
Nr. 54: "Dänemark in Europa" |
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BODIL NYBOE ANDERSEN
NACH DER VOLKSABSTIMMUNG: AM KURS FESTHALTEN
Verglichen mit den Verhältnissen in vielen anderen europäischen Ländern mögen einem
die wirtschaftlichen Probleme in Dänemark klein und unbedeutend vorkommen.
Dänemark ist eines der europäischen Länder mit dem höchsten durchschnittlichen
Lebensstandard. Das ist unter anderem auf den Fleiß der Bürgerinnen und Bürger
zurückzuführen. Der Erwerbstätigenanteil in der Bevölkerung liegt höher als in
irgendeinem anderen Land, nicht zuletzt weil die Frauen in annähernd dem selben Umfang am
Arbeitsmarkt aktiv sind wie die Männer.
Die Wirtschaftspolitik spielt aber natürlich auch eine wichtige Rolle. Seit 1982 ist die
Politik darauf ausgerichtet, eine niedrige Inflationsrate und einen gesunden öffentlichen
Haushalt sicherzustellen. Dieser Kurs ist die Lehre aus den unglücklichen Erfahrungen mit
der Wirtschaftspolitik der siebziger und der frühen achtziger Jahre, als die Inflation
über 10% lag, Massenarbeitslosigkeit herrschte, die Krone wiederholt gegenüber der
D-Mark abgewertet wurde und sowohl der öffentliche Haushalt als auch die Zahlungsbilanz
stark defizitär waren. Eine Konsequenz hieraus war, daß der Leitzinssatz 1982 auf mehr
als 20% angestiegen ist.
Feste Währung und gesunde Finanzen
Die Wirtschaftspolitik wurde 1982, wie bereits erwähnt, grundlegend umgestaltet. Seit
dieser Zeit sind eine feste Währung und gesunde öffentliche Finanzen die Ecksteine
unserer Politik. Der feste Wechselkurs wurde binnen kurzer Zeit im Verhältnis zur D-Mark
definiert - und daran wurde festgehalten, ganz gleich ob die D-Mark gegenüber dem
US-Dollar stark oder schwach war. Aus dänischer Sicht war der entscheidende Aspekt, daß
sich die Inflation in Deutschland auf einem niedrigen Niveau befand. Die
Arbeitsmarktpartner respektierten generell, daß die Lohnsteigerungen im moderaten Rahmen
verlaufen mußten, wenn die Unternehmen auch in Zukunft international konkurrenzfähig
sein wollten. Diese Disziplin trug dazu bei, die Arbeitslosigkeit zu senken und einen
stabilen Anstieg der Reallöhne zu sichern, da sich die Inflation im wesentlichen parallel
zu der Preisentwicklung in Deutschland verhielt. Obwohl es gelegentliche Rückschläge
gegeben hat, ist der Nutzen der dänischen Festkurspolitik zu keinem Zeitpunkt in Frage
gestellt worden.
Dänemark hat nicht teilgenommen, als 1999 die dritte Phase der Europäischen Wirtschafts-
und Währungsunion startete und der Euro zur gemeinsamen Währung in elf
EU-Mitgliedsstaaten wurde. Die Ursache hierfür war, daß der Maastrichter Vertrag in der
Volksabstimmung von 1992 abgelehnt worden ist. Infolge dieser Entscheidung beschloß
Dänemark, zunächst nicht an der gemeinsamen Währung teilzunehmen, hielt aber zugleich
am festen Wechselkurs fest. Seit der Einführung des Euros im Januar 1999 wurde der Kurs
der Krone im Verhältnis zum Euro im Rahmen der Währungszusammenarbeit ERM II definiert.
Infolge des hohen Grades an ökonomischer Konvergenz konnte Dänemark vertraglich
absichern, die Ausschläge im Wechselkurs innerhalb der eng gesteckten Bandbreite von +/-
2,25% gegenüber dem Zentralkurs zu halten.
In der Praxis waren die Ausschläge des Wechselkurses sogar noch geringer, da die
Geldpolitik darauf ausgerichtet ist, die Schwankungen der Tageskurse zu begrenzen. Die
ausgehandelte Bandbreite dient lediglich als Sicherheitsnetz, von dem man nicht erwartet,
daß es je zum Einsatz kommen wird.
Das Abkommen ist intakt
Ende September dieses Jahres wurde eine Volksabstimmung über die Einführung des Euros in
Dänemark abgehalten. Wie auch den meisten Deutschen bekannt sein wird, wurde der
Vorschlag zum Bedauern der Nationalbank abgelehnt, da 53,2% der Wähler mit Nein stimmten.
Ohne Zweifel wird in der kommenden Zeit ein Strom an Analysen über uns hereinbrechen. Im
Rahmen dieses Artikels sollte jedoch festgehalten werden, daß der Kurs der Krone
gegenüber dem Euro im Rahmen der ERM II-Zusammenarbeit auch künftig stabil bleiben wird.
Die Regierung und die Nationalbank veröffentlichte noch am Wahlabend eine gemeinsame
Erklärung, deren Wortlaut Sie auf Seite 9 nachlesen können, in der versichert wird, daß
die Festkurspolitik fortgesetzt wird. Die Regierung ließ verlauten, daß sie
gegebenenfalls wirtschaftspolitische Maßnahmen ergreifen wird, falls es nötig werden
sollte, die Finanzmärkte davon zu überzeugen, daß der feste Wechselkurs nicht zur
Debatte steht. Die Europäische Zentralbank ließ unverzüglich verlauten, daß das
Währungsabkommen weiterhin intakt sei. Die Nationalbank hob den Leitzinssatz am Tag nach
der Abstimmung an, und schon bald hatten sich die Verhältnisse an den Märkten beruhigt.
Dänemark profitiert längst vom Euro
Es muß unterstrichen werden, daß die Nein-Seite im Vorfeld der Volksabstimmung zu keinem
Zeitpunkt für einen flexibleren Wechselkurs gegenüber dem Euro plädiert hat. Das
Argument war vielmehr, daß es der dänischen Wirtschaft bereits jetzt sehr gut gehe uns
somit keine sichtbaren Vorteile in einer Teilnahme am Euro bestünden. Dabei ist der gute
Zustand der dänischen Wirtschaft ja gerade eine Folge der Tatsache, daß wir bereits Teil
eines großen Währungsraums gewesen sind. Das Risiko künftiger Währungsspekulationen
gegen die Krone wurde von der Nein-Seite als nicht wesentlich eingestuft.
Wo befinden wir uns also nun? Dänemark gehört nach wie vor zum Kreis der EU-Staaten, der
besonders schnell EU-Direktiven in der nationalen Gesetzgebung umsetzt. Die praktische
Zusammenarbeit in Europa trifft in der Bevölkerung auf breite Unterstützung.
Gleichzeitig nimmt Dänemark nicht an der gemeinsamen Währung teil, hält aber den
Wechselkurs zum Euro stabil. Es ist verständlich, wenn man dieses Verhalten im Ausland
schwer nachvollziehen kann. Dennoch kann Dänemark - zumindest passiv - zur Gestaltung der
Wirtschaftspolitik in den Euro-Ländern auf konstruktive Weise beitragen.
Die Gegner der gemeinsamen Währung, nicht zuletzt in der akademischen Kreisen und im
englischsprachigen Raum, stellen es häufig als Problem dar, daß eine gemeinsame
Geldpolitik nicht an die Verhältnisse eines jeden Teilnehmerlandes angepaßt werden kann
und damit nicht angemessen sei, da die konjunkturellen Rahmenbedingungen sehr
unterschiedlich seien. Was Dänemark betrifft, haben wir seit fast 20 Jahren keine
national orientierte Geldpolitik betrieben und können dennoch auf eine gute ökonomische
Entwicklung zurückblicken. Die Entwicklung des Lebensstandards, der Unternehmensgewinne,
der Schaffung von Arbeitsplätzen sowie die volkswirtschaftlichen Indikatoren wie
Inflation, Arbeitslosigkeit und öffentliche Finanzen sind zufriedenstellend. Die anderen
Länder haben bei der Loslösung von der nationalen Geldpolitik im wesentlichen die
gleichen Erfahrungen gesammelt - dies gilt nicht zuletzt für die Niederlande.
Der gemeinsame Nenner für diese Erfahrungen ist, daß die übrige Wirtschaftspolitik,
primär die Finanz- und Strukturpolitik, gestaltet werden kann, so daß die besonderen
nationalen Bedürfnisse berücksichtigt werden, das langfristige Wirtschaftswachstum
gefördert wird und an den gesunden öffentlichen Finanzen in guten wie in schlechten
Jahren festgehalten werden kann. Die gemeinsame Währung und die gemeinsame Geldpolitik
kann auf diese Weise ein Katalysator für verbesserte wirtschaftliche Strukturen in den
Teilnehmerländern sein. Die hiermit verknüpfte Verbesserung des Lebensstandards in den
Teilnehmerländern wird auch für Dänemark von Vorteil sein.
Bodil Nyboe Andersen ist Direktorin der Dänischen
Nationalbank.
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