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HANS HELMUT PRINZLER
THEMENNUMMER FILM: VON DÄNEMARK NACH EUROPA

Von Urban Gad über Carl Theodor Dreyer zu Lars von Trier – die großen Regisseure des dänischen Films haben immer auch für das europäische Kino gearbeitet, sie wurden und werden über die Landesgrenzen hinaus geschätzt, sie haben einen guten Namen in Frankreich und Deutschland, in Ungarn und Portugal. Die interessanteste filmästhetische Reflexion der letzten zehn Jahre in Europa hat unter dem Namen „Dogma 95" in Dänemark begonnen und anschließend die Filmemacher und das Publikum in vielen Ländern zum Nachdenken gebracht.

Noch verfügt das europäische Kino über wenig gemeinsame Identität und erreicht – verglichen mit dem amerikanischen Film – deutlich geringere Besucherzahlen. Lars von Triers Dancer in the Dark, eine dänisch-schwedisch-französische Coproduktion, ausgezeichnet mit der „Goldenen Palme" in Cannes und dem „Europäischen Filmpreis" 2000, hatte in Deutschland rund 330.000 Zuschauer. Gemessen an dem deutschen Film Kalt ist der Abendhauch, der es auf 390.000 Besucher brachte, ist das eine stolze Zahl. In Relation zu Mission Impossible 2 aus den USA (4,4 Millionen Besucher) wirkt sie schon bescheidener.

Über alle Sprachgrenzen hinweg sucht das europäische Kino nach Gemeinsamkeiten, die vielleicht nicht zu einem festgeschriebenen Dogma, aber zu grenzüberschreitenden Erfolgen führen. In Brüssel werden immer neue Förderungsprogramme für Produktion und Vertrieb entwickelt. In Straßburg trifft man sich beim jährlichen „Forum du Cinéma Européen" zu programmatischen Debatten. In Berlin, Cannes und Venedig finden die drei bedeutendsten Filmfestivals der Welt statt, bei denen sich der europäische Film im internationalen Zusammenhang zu bewähren hat. An wechselnden Schauplätzen – zuletzt in Paris – wird seit 13 Jahren der „Europäische Filmpreis" verliehen. In der European Film Academy sind die wichtigsten Produzenten, Regisseure und Schauspieler organisiert und treffen sich regelmäßig zum Meinungsaustausch. Die Effektivität der Filmhochschulen in Europa hat sich in den letzten Jahren deutlich verbessert – und die dänische Filmschule spielt hier eine sehr beachtete Rolle. Solche Investitionen in die Zukunft lohnen sich. Gleichzeitig sorgen Filmarchive und Museen für die Bewahrung des europäischen Kulturerbes, gemeinsam organisiert in der „Association des Cinémateques Européenes", koordiniert in Brüssel. Europäische Aktivitäten, wohin man schaut.

Gleichwohl ist das europäische Kino vor allem davon abhängig, daß in den einzelnen Ländern Europas herausragende Filme entstehen. Filme, die ihr Publikum finden, weil sie etwas zu sagen haben, weil sie uns bewegen. Filme, deren Produzenten und Regisseuren es nicht nur um das schnelle Geld geht.

Die Zukunft des europäischen Films ist ein essentielles Stück unserer eigenen Zukunft – so wie viele Filme aus europäischen Ländern ein Stück unserer gelebten Vergangenheit sind. Zum Blick nach vorn gehört auch immer der Blick zurück. Das musée imaginaire kann Mut machen.

Hans Helmut Prinzler ist Direktor des Filmmuseums Berlin.


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