head_1.gif (168 bytes) head_2.gif (1742 bytes)
london.gif (388 bytes)
flag.gif (2923 bytes)
site_map.gif (317 Byte)help.gif (189 bytes)homepage.gif (364 bytes)
 


 

 

 

 

 


Aktuelles


Adressen &
Publikationen

Fakten über
Dänemark

Politik

Wirtschaft &
Verkehr

Arbeit, Bildung &
Soziales

Nahrungsmittel &
Landwirtschaft
 
Umwelt & Energie
 
Verteidigung
 
Konsulat
 
Über die Botschaft


Kennzeichen DK

LARS FIIL-JENSEN
DÄNISCHE FILMPREMIEREN 2001: GRUND ZUM SELBSTBEWUSSTSEIN

Der dänische Film strotzt zur Zeit vor Selbstbewußtsein. Es werden gute Filme produziert, die vom Publikum begeistert angenommen werden. Es gibt zahlreiche Talente, erfolgreiche Regisseure, professionelle Produzenten und Kameraleute, die es verstehen, Stimmungen zu erzeugen. Es gibt Drehbuchautoren mit guten Storys, mitreißende Schauspieler und ständig neue Namen und Gesichter. Neben komödiantischen Qualitäten gibt es ernste Untertöne, etwas Gruseliges für die Jugendlichen und Heiteres wie Ernstes für die Kinder. Es gibt minimialistische Herausforderungen wie die des Dogma-Formats, aber auch teure coproduzierte Filme.

1999 verzeichneten die dänischen Filme in den dänischen Kinos eine Rekord-Besucherzahl. Die inländischen Produktionen verzeichneten ganze 28% der verkauften Kinokarten für sich. Das Jahr 2000 konnte diesen Erfolg leider nicht bestätigen. Im Herbst kamen jedoch eine Reihe herausragender Filmproduktionen in die Kinos, so daß der Besucheranteil der dänischen Filme von 7% in den ersten vier Monaten des Jahres noch auf knapp 20% für das gesamte Jahr angehoben werden konnte. Damit wurde der langfristige Durchschnitt knapp übertroffen.

Eine Reihe von Preisen auf großen wie kleinen internationalen Festivals hat dazu beigetragen, daß das Filmjahr 2000 als Erfolg gewertet werden kann. Lars von Trier erhielt für Dancer in the Dark eine „Palme d’Or" auf dem Filmfestival in Cannes. Im weiteren Verlauf des Jahres kam der Preis der Europäischen Filmakademie für den besten Film hinzu. Die Person, die vermutlich den größten Anteil am neuen Selbstbewußtsein des dänischen Films trägt, bahnte mit einem stark gefühlsbetonten Kunstgriff neue Wege. Dancer in the Dark und das nach wie vor vitale Dogma-Projekt rückten den dänischen Film in den Mittelpunkt des internationalen Interesses.

Es sieht ganz danach aus, daß sich der Schwall an guten Filmen auch im neuen Jahr fortsetzen wird und es weiterhin Ansätze für eine Weiterentwicklung gibt. Verschiedene junge Regisseure, die sich bereits mit herausragenden Kurz- oder Dokumentarfilmen einen Namen gemacht haben, werden ihre Spielfilmdebüts feiern. Für die etablierten Regisseure gibt es neue Herausforderungen, unter anderem im Rahmen des Dogma-Projekts oder bei großen cofinanzierten Produktionen, die außerhalb Dänemarks aufgenommen werden. Und es gibt eine gut entwickelte Tradition für Kinder- und Jugendfilme, die auch im Jahrgang 2001 mit Erfindungsreichtum und Phantasie aufwarten werden.

Ein neuer Dogma-Jahrgang

2001 werden drei neue Dogma-Filme aus Dänemark in die Kinos kommen.

Italiensk for begyndere/Italian for Beginners ist eine prickelnde Liebeserzählung von Lone Scherfig, die im Rahmen des Hauptwettbewerbs auf der Berlinale 2001 dem internationalen Filmpublikum vorgestellt wird. In Scherfigs Film entdecken sechs Personen ihren Glauben an die Liebe wieder, als sie sich entscheiden, an dem Exotischsten teilzunehmen, das eine kleine, graue Provinzkleinstadt zu bieten hat: einen Italienisch-Kurs. Italian for Beginners ist Scherfigs dritter Spielfilm. Schon in ihren früheren Filmen hat die Regisseurin bewiesen, daß sie es vermag, kleine Alltagsgeschichten mit viel Magie und Humor zu präsentieren. Und im neuen Film zeigt sich, daß es Scherfig gut getan hat, nach den Dogma-Regeln zu arbeiten. Die starke schauspielerische Leistung, die durch die Arbeit nach den Dogma-Regeln besonders hervorgehoben wird, strotzt vor Zärtlichkeit und Humor. Der Film, der im Dezember seine Premiere in Dänemark feierte, wurde von der Presse einhellig gelobt und wurde bereits im ersten Monat von 7% der dänischen Bevölkerung gesehen.

kndk55pic1.jpg (16705 Byte)
Italiensk for begyndere/Italianfor Beginners (Lone Scherfig, Zentrope) läuft im Wettbewerb der Berlinale 2001. Foto: Lars Høgsted.

Die beiden anderen dänischen Dogma-Filme sind bereits abgedreht und befinden sich nun in der Nachbearbeitung. Åke Sandgrens Et rigtigt menneske (Ein richtiger Mensch) ist die Geschichte von einem jungen Mann, der in der Traumwelt eines kleinen Mädchens geschaffen wird und nun allmählich lernen muß, in der wirklichen Welt zurechtzukommen. Kontrastiv hierzu steht Ole Christian Madsens En kærlighedshistorie (Eine Liebesgeschichte), ein Kammerspiel über ein Ehepaar, das in eine Krise gerät, als die Frau beginnt, eine Manie zu entwickeln.

Die neuen Filme zeigen, daß dem Dogma-Projekt nach wie vor Ideen zu entlocken sind. Der Dogma-Begriff hat zahlreiche zeitgenössische Filmemacher inspiriert, weil er einen Bruch mit einer verkrusteten Stiltradition formalisiert hat. Er wird aber kaum auf Dauer die Rolle eines festgeschriebenen Regelwerks bewahren können. Søren Kragh-Jacobsen, der Regisseur des dritten Dogma-Films Mifunes sidste sang/Mifune und Gewinner des Silbernen Bären 1999 hat pointiert, daß es in der Zukunft eine größere Herausforderung für die Regisseure sein wird, einzelne der zehn Dogma-Regeln auszulassen und durch andere zu ersetzen. In den Pressebeiträgen über die neuen Filme war auffällig, wie ungern sich Regisseure und Schauspieler in Diskussionen über die Dogma-Regeln einlassen wollten. Stattdessen standen die einzelnen Filmwerke im Vordergrund.

Das neue Jahr bringt ferner Troværdighedens rige/The Kingdom of Credibility des ausgezeichneten dänischen Dokumentaristen Jesper Jargil mit sich, in dem das Dogma-Projekt von dessen Anfängen bis heute verfolgt wird.

Die internationalen Dänen

2000 war ein Jahr, in dem mehrere angesehene dänische Regisseure an internationalen Filmplänen gearbeitet haben.

Thomas Vinterberg, der mit dem ersten Dogma-Film, Festen/Das Fest, einen großen Erfolg gelandet hat, wird im April mit den Aufnahmen für eine englischsprachige Science Fiction-Liebesgeschichte mit dem Titel It’s All About Love beginnen, die in dänisch-französisch-schwedisch-japanisch-italienisch-deutsch-griechischer Co-Finanzierung entstehen wird.

Nicolas Winding Refn, der mit seinem Debutfilm Pusher internationale Aufmerksamkeit erlangt hat, arbeitet momentan an einem englischspsrachigen dänisch-schwedisch-englisch-amerikanischen Thriller mit dem Titel Fear the X, der in den USA und Südamerika gedreht wird. Die Manuskriptvorlage kommt vom Kultautoren Hubert Selby Jr.

Ole Bornedal, der 1996 nach Hollywood gegangen ist, um ein Remake seines vielgelobten und -geliebten Thrillers Nattevagten/Nightwatch zu drehen, arbeitet momentan an den Aufnahmen für die große norwegisch-dänisch-schwedisch-deutsch-französische Produktion Dina, die im Norwegen des 19. Jahrhunderts spielt.

kndk55pic6.jpg (13923 Byte)
En sang for Martin/A Song for Martin (Bille August, Moonlight Filmproduction und Svenska Filmkompagniet). Foto: Rolf Konow.

Der Oscar-Preisträger Bille August ist nach mehreren großen amerikanischen und europäischen Produktionen nach Skandinavien zurückgekehrt und präsentiert En sang for Martin/A Song for Martin, der auf der Berlinale dem internationalen Publikum vorgestellt wird. Der Film, der in Schweden mit Unterstützung des schwedischen und des dänischen Filminstituts produziert worden ist, ist ein eindringliches Familiendrama über einen Ehemann und Familienvater, der vom Alzheimer-Syndrom betroffen ist. Stilistisch lehnt sich der Film an Bille Augusts frühere skandinavische Produktionen an und bewegt sich in dem Metier, in dem August am allerbesten ist: dem psychologischen Kammerspiel.

Susanne Bier, die 1999 mit Den eneste ene/The One and Only für den größten dänischen Kinoerfolg seit vielen Jahren gesorgt hat, legt mit Hånden på hjertet (Hand auf’s Herz) eine Komödie vor, die von einem Krankenpfleger handelt, der zum Grand Prix-Schlagerstar wird. Der in schwedisch-dänischer Coproduktion entstandene Film hat nach der Premiere im November in Schweden für volle Kinosäle gesorgt.

Auch Gabriel Axel, der 1998 mit Babettes gæstebud/Babettes Fest einen Oscar gewonnen hat, legt dieser Tage einen in internationaler Produktion entstandenen Film vor. Der lyrische Streifen Laila den rene/Laila the Pure erzählt von der Liebe zwischen einem marokkanischen Mädchen vom Lande und einem jungen Reisenden. Der Film ist in Marokko gedreht worden.

Kinderfilme

In Dänemark sind 25% der Filmförderung für Kinder- und Jugendfilme bestimmt. Dadurch ist es möglich gewesen, eine starke Tradition zu entwickeln, die sich weiterhin in der Entwicklung befindet. Unsere Kinderfilme haben über Jahre hinweg im Spielfilmbereich ebenso wie bei Kurz- und Dokumentarfilmen Preise gesammelt. Auf dem „Chicago International Children’s Film Festival" im vergangenen Jahr wurden die dänischen Beiträge mit nicht weniger als fünf Auszeichnungen belohnt.

kndk55pic19.jpg (15347 Byte)
Prop & Berta (Per Fly, Zentropa). Foto: Film Studio A-Boom.

Auch in diesem Jahr gibt es Anlaß zu hohen Erwartungen. Das Publikum wird mit einem ganz ausgezeichneten Paket verschiedenster Kinderfilme Bekanntschaft schließen. Zwei dieser Filme starten als Wettbewerbsteilnehmer am Kinderfilmfest in Berlin: Natasha Arthys heiterer und farbenreicher Film Mirakel/Miracle über einen Jungen mit Teenager-Problemen und Jannik Hastrups Zeichentrickfilm Cirkeline – Ost og kærlighed/Circleen – Mice and Romance für die jüngsten Zuschauer (beide Filme werden in diesem Heft gesondert besprochen).

Das Jahr 2001 bietet darüber hinaus Jugendthriller, Puppenfilme, Weihnachtsfilme, turbulente Familienfilme, Seeräuberfilme, Mädchenfilme und Filme über Kinder aus fremden Ländern – kurz gesagt: eine breite Palette an Kinoerlebnissen, auf die sich die Kinder freuen können.

Junge Talente

Eines der größten dänischen Filmerlebnisse des vergangenen Herbstes war Bænken/The Bench vom Spielfilmdebutanten Per Fly, ein Sozialdrama über einen Alkoholiker. Der Film zeichnet sich durch eine außerordentliche schauspielerische Leistung und einem Stil aus, der sich an englischen Realisten wie Mike Leigh messen lassen kann. Der Film wurde auf den Nordischen Filmtagen in Lübeck mit drei Preisen ausgezeichnet, unter anderem mit dem NDR-Förderpreis.

Ein anderer Spielfimdebütant, Anders Thomas Jensen, der 1999 den Oscar in der Kategorie Kurzfilm gewonnen hat, bewegte sich mit dem Publikumserfolg Blinkende Lygter/Flickering Lights in genau die entgegengesetzte Richtung mit einer stilsicheren, Tarantino-artigen Erzählung über eine Gruppe grenzpsychopathischer Verbrecher, die lieber ein Landstraßen-Restaurant betreiben würden als Verbrechen zu begehen.

kndk55pic9.jpg (11540 Byte)
Grev Axel/Count Axel (Søren Fauli, Cosmo Film). Foto: Erik Aavatsmark.

Der Film Grev Axel/Count Axel ist eine anachronistische Drama-Komödie des Regisseurs Søren Fauli. Er debutiert mit diesem Spielfilm, nachdem er sich in einer Reihe Novellenfilme einen besonderen Humor, der mit den hergebrachten Genrekonventionen spielt, zugelegt hat.

Der erfahrene Dokumentarfilmregisseur und frühere Cutter von Lars von Trier, Tómas Gislason, debütiert mit dem Spielfilm Like a Rock, der in den USA spielt. Like a Rock ist ein Film, dessen äußeres Erscheinungsbild maßgeblich durch die Bearbeitung am Schneidetisch geprägt worden ist. Aus mehreren hundert Stunden an DVD-Aufnahmen modelliert Gislason eine der inspirierendsten Bildcollagen des dänischen Films.

Riesige Erwartungen knüpft man an Monas verden (Monas Welt) der zweite Film des Regisseurs Jonas Elmers nach dem gelungenen und von den Kritikern gelobten Debut Let’s get Lost von 1997, der mit einem authentischen, improvisierten Stil den ersten Dogma-Filmen vorausgriff. In Monas verden wird Elmers dieser Formsprache treu bleiben.

Der Staat hat die durch das Dänische Filminstitut verwalteten Förderungsmittel schrittweise von 52 Mio. DM im Jahre 1998 auf knapp 92 Mio. DM im Jahre 2001 erhöht. Von dieser Summe sind 34 Mio. DM für die Förderung von rund 20 Spielfilmen bestimmt. In Kombination mit einer geplanten Filmwirtschaftsförderung, einer fortgesetzten Professionalisierung der Filmdistribution im Ausland, einer Reihe visionärer Filmemacher und einer neuen Generation energischer Filmleute sollte dem dänischen Film auf Jahre hinaus eine Rolle in der Filmwelt gesichert sein.


Lars Fiil-Jensen ist Pressereferent beim Dänischen Filimstitut in Kopenhagen und hat verschiedene Sendungen bei Danmarks Radio (TV) und Canal+ betreut.


zurück zu Kennzeichen DK Nr. 55
zurück zu Adressen & Publikationen
zurück zu Aktuelles

© Königlich Dänische Botschaft, Berlin
head_6.gif (356 bytes)