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KIM SKOTTE
NATASHA ARTHY: DIE KINDLICHE REGISSEURIN

Kinder lieben Bilder und Phantasie. Umso erstaunlicher ist es, daß sich gerade der Kinder- und Jugendfilm einer müden und konservativen Bildsprache bedient. Dies gilt jedoch nicht, wenn die Regisseurin Nathasha Arthy heißt. Die junge Filmemacherin hat mit Mirakel/Miracle einen Film geschaffen, der als frischer Wind durch die Branche zieht – nicht zuletzt, weil sich Arthy einer Filmsprache bedient, zu denen sich die Kinder von heute problemlos verhalten können.

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Mirakel/Miracle
(Natasha Arthy, Nimbus Film). Foto: Lars Høgsted.


Als 18-jährige bewarb sich Natasha Arthy an der Dänischen Filmschule – ohne Erfolg. „Ich glaube, ich war ihnen zu kindlich", erzählte Arthy später. Doch gerade das Kindliche wurde zu ihrer Stärke. Anstelle der Filmschule war es die Kinder- und Jugendabteilung von Danmarks Radio, die Arthy zum Film führte. Und diese Schule war ohne Zweifel eine gute, hat sich doch Danmarks Radio in den vergangenen Jahrzehnten mit Qualitätsfernsehen und dem Mut zum Austesten neuer Grenzen ein exzellentes Renommee erarbeitet. Arthys Stil ist deutlich von dieser Schule geprägt: Sie verwendet satte Farben und gibt in verschiedensten Nuancen den Spaß der Kinder am Verkleiden und Rollenspiel wieder. Heiter und stilsicher verwendet sie ironische und kitschige Elemente. Mit ihrer zeitgemäßen Filmsprache etablierte sie sich in der Fernsehregie, bevor sie 1997 mit dem Novellenfilm Fanny Farveløs/Penny Plain debütierte. Fanny Farveløs ist eine kleine Erzählung über eine amüsante Madame, die eine Prinzessinnen-Akademie für kleine Mädchen betreibt, die den grauen Alltag leid sind. „Ich wollte lebendige Gemälde schaffen", erklärte Arthy zum vielgelobten Film, der als Auftakt zum Spielfilmdebüt Miracle verstanden werden kann.

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Mirakel/Miracle (Natasha Arthy, Nimbus Film). Foto: Lars Høgsted.

Bei Miracle war Natasha Arthy von großen Namen umgeben: Die Hauptdarstellerin Sidse Babett-Knudsen ist seit dem Kassenschlager Den Eneste Ene/The One and Only einer der angesagtesten Schauspielerinnen in Dänemark. Und das Drehbuch zu Miracle kam von keinem Geringeren als Kim Fupz Aakeson, der auch The One and Only geschrieben hatte und mittlerweile als gefragtester Drehbuchautor des Landes gilt. Natasha Arthy ließ sich hierdurch nicht beeindrucken: Mit zahlreichen Musical-Passagen schuf sie ihr farbenreiches und ironisches Universum. Die Musik wird dem Film nicht aufgezwungen. Auch drängt sich nicht der Verdacht auf, daß hier der Versuch begangen wird, auf künstliche Weise Synergie-Effekte zu erzeugen. Bei Arthy ist die Musik ein natürlich integrierter Bestandteil des Ganzen.

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Mirakel/Miracle (Natasha Arthy, Nimbus Film). Foto: Lars Høgsted.

Miracle
wurde zum größten dänischen Familien-Hit des Jahres, und die Rezensenten ließen sich reihenweise von der Geschichte des Hip Hop-Jungen Dennis P. fangen. Dennis ist klein, wird von seinen Lehrern schikaniert und als letzter in der Klasse wartet er noch – seufz! – auf seine Schambehaarung. Auch zuhause hat es Dennis nicht besonders angenehm: Vor Jahren fiel sein Vater im Rock’n’Roll-Rausch vom Dach des Wohnhauses und starb. Seitdem hat sich die Mutter ausschließlich der Tanzschule und ihrer Migräne gewidmet. Eines Tages begegnet Dennis jedoch einem Engel auf einem Motorrad. Der Engel, der Dennis verstorbenem Vater zum Verwechseln ähnlich sieht, stellt dem Jungen den „kleinen Mirakel-Führerschein" aus. Fortan kann Dennis „Wunder der Mittelklasse" vollbringen. Erst allmählich merkt er jedoch, daß Wunder nicht immer dazu geeignet sind, Probleme zu bewältigen.

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Mirakel/Miracle (Natasha Arthy, Nimbus Film). Foto: Lars Høgsted.

Als Beispiel dafür, daß Kinderunterhaltung mit Integrität möglich ist, stellt der Film selbst ein kleines Wunder der Mittelklasse dar. „Heute werden die Kinder von allen Seiten mit Lifestyle-Reklame bombardiert. Miracles Botschaft ist, daß die Kinder ein Recht darauf haben, daß ihre Unschuld in Frieden gelassen wird. Sie werden noch früh genug erwachsen werden", sagt Arthy zu ihrem Film, mit dem sie beweist, daß sie als Regisseur erwachsen geworden ist, ohne ihr kindliches Gemüt aufgegeben zu haben.

Kim Skotte ist Filmrezensent und Kulturjournalist bei der Kopenhagener Tageszeitung Politiken.


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