ULRICH BREUNING
ZEICHENTRICKFILM: JANNIK HASTRUP UND SEINE CIRKELINEDas Jahr 2000 ist für den dänischen Zeichentrickfilm ein
besonderes Jahr gewesen. Ganze drei Kinopremieren gab es eine bemerkenswerte Zahl
für das kleine Königreich, dessen Filmwirtschaft nicht notwendigerweise für die
vergleichsweise teure Produktionsform des Zeichentrickfilms geschaffen ist. Doch gerade in
den letzten zwanzig Jahren sind zahlreiche Talente herangewachsen und haben die Basis für
eine eigene Filmtradition gelegt. Der große Arbeitseinsatz beginnen Früchte zu tragen.
Die drei Zeichentrickfilme in Spielfilmlänge, die im vergangenen Jahr das Licht der Welt
(oder besser: Die Dunkelheit des Kinos) erblickt haben, sind Cirkeline Ost &
Kærlighed/Circleen Mice and Romance von Jannik Hastrup, Hjælp! Jeg er en
fisk/Help! Im a Fish von Stefan Fjeldmark und Michael Hegner sowie der
Puppenfilm Prop & Berta von Per Fly.

Jannik Hastrup. Foto: Rolf Konow.
Jannik Hastrup ist es mit seinem unermeßlichen Fleiß gelungen, über vier Jahrzehnte
hinweg die dänischen Kinder mit prächtigen Zeichentrickfilmen zu bezaubern. Für seine
modernen Zeichentrick-Klassiker wie Samson og Sally (1984), Strit og Stumme
(1987), Fuglekrigen i Kanøfleskoven (1990), Aberne og det hemmelige våben
(1995) und H.C. Andersen og den skæve skygge/H.C. Andersens The Long Shadow
(1998) gab es überschwengliches Lob auch aus dem Ausland. Der 1941 geborene Jannik
Hastrup gilt heute bereits als Grand Old Man" des dänischen Zeichentrickfilms,
und seine Figuren zählen zu den bekanntesten Helden des dänischen Films. Es gibt jedoch
eine Figur, die den Dänen noch näher am Herzen liegt als alle anderen weil sie
immer wieder auftaucht und weil sie so bestens bekannt ist bei Großeltern, Eltern und
Kindern: Die Rede ist von Cirkeline, die gerade so klein ist, daß sie in einer
Streichholzschachtel schlafen kann.

Cirkeline Käse und Liebe (Jannik Hastrup,
Dansk Tegnefilm Produktion). Foto: Lars Høgsted.
Der neueste Film über Cirkeline, Circleen Mice & Romance, ist der
vorläufige Höhepunkt einer einmaligen Karriere. Es fällt schwer, den großen Erfolg der
Cirkeline-Filme in seinem ganzen Umfang zu erklären, doch mit einem Dutzend kleiner
Zeichentrickfilme, die in den Jahren 1968 bis 1970 produziert und im damals einzigen
dänischen Fernsehprogramm gezeigt worden sind, fand Cirkeline ihren Weg in die Herzen der
Menschen und blieb bis heute unvergessen. Das gelang ihr, weil sie so charmant ist, zwei
amüsante Mäusefreunde hat und weil sie stets so spannende Abenteuer erlebt ganz
besonders aber, weil hinter der Spielfreude und dem Spaß am Erzählen immer auch eine
kleine Portion Ernst verborgen ist. Cirkeline und ihre Freunde Frederik und Ingolf treten
nämlich auch im dänischen Alltag mit all seinen kleinen und großen Problemen in Aktion.
Die Filme handeln von etwas, das für die Kinder wesentlich ist: Sie verbinden
phantasievolle Leichtigkeit mit realen Tatsachen, bieten Stoff zum Nachdenken und stiften
Sinn.
Jannik Hastrup stürzte sich auf neue Herausforderungen,
doch nach einem drei Jahrzehnte währenden Dornröschenschlaf erwachte Cirkeline in ihrer
Streichholzschachtel: 1998 präsentierte Jannik Hastrup den Film Cirkeline
storbyens mus. Mit der Rückkehr von Cirkeline wurde nicht allein der Mythos
wiederbelebt. Der Film war darüber hinaus ein derart großer Erfolg, daß eine
Fortsetzung auf der Hand lag.
Circleen Mice and Romance ist der
vielleicht beste aller Cirkeline-Filme bis zum heutigen Tag. Er bietet den üblichen
Überschuß an Humor, die Geschichte ist stramm komponiert und er betrachtet den Zustand
der dänischen Gesellschaft aus einer kindlichen Perspektive. Im neuen Cirkeline-Film gibt
es nämlich auch dunkle Mäuse mit fremden Namen und einer Vorliebe für Feta-Käse. Doch
das, was am meisten Freude macht, ist natürlich die Erzählung von der kleinen,
unansehnlichen Askemus (Aschenmaus), die so häßlich aussieht und der es so schlecht
ergeht, die aber mit Hilfe ihrer kleinen, guten Freunde sowohl Glück als auch Käse
findet. Ein makelloses Stück Zeichentrick-Geschichte.
Ulrich Breuning ist geschäftsführender Direktor
von Nordisk Film Junior, Redakteur bei verschiedenen Film-Zeitschriften und
"weltweit führender Cirkelinologe".
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