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Kennzeichen DK

MADS NYGAARD IM GESPRÄCH MIT ULLA HOVGAARD RAMLAU
DESIGN-POLITIK: DESIGN IST EINE INVESTITION

Kennzeichen DK hat mit Ulla Hovgaard Ramlau, Direktorin des Dänischen Design Zentrums, gesprochen und sie gefragt, wie Design zur Entwicklung in der Gesellschaft beitragen kann, welche Rolle das Dänische Design Zentrum dabei spielt, und was es für sie bedeutet, daß sie ursprünglich nicht mit Design gearbeitet hat, sondern mit Kommunikation.

Ulla Hovgaard Ramlau: Um mit dem letzten anzufangen, hat Design vieles mit Kommunikation gemein. Natürlich bin ich ganz neu auf diesem Gebiet, da ich von einer anderen Branche komme, andererseits sind Design und Kommunikation eng miteinander verwandt. Mein Fachgebiet ist die strategische Kommunikation, und natürlich bin ich Direktorin des Zentrums geworden, weil es in Zukunft meine Aufgabe sein wird, dänisches Design strategisch zu vermitteln. Das gilt vor allem, wenn wir verschiedene private und öffentliche Unternehmen dabei beraten, wie Design als Wert in der Entwicklung von Produkten und als strategisches Mittel für die Unternehmungsführung in das Fundament des einzelnen Unternehmens integriert werden kann. Seit der Gründung des Dänischen Design Zentrums im Jahre 1978 ist schon vieles getan worden, es gibt aber immer noch vieles zu tun.

Wie ist Design denn zu kommunizieren?

Die Frage ist, wie man die Vorteile und Werte, die Design enthalten kann, konkreter faßt und materialisiert. In dieser Weise sind die Designbotschaften schwierig zu kommunizieren, und unsere Aufgabe ist dann, die "sanften" Werte des Designs - Produktintelligenz, hohe und ästhetisch zufriedigende Funktionalität - in "harten" Werte zu übertragen, damit sich die professionelle Arbeit mit Design auch ökonomisch lohnt.

Was wir versuchen mitzuteilen ist, daß Design in der freien Marktwirtschaft die Produkte differenziert und sie konkurrenzfähiger macht. Das gilt ja auch, weil es generell schwieriger ist, mittels der Produktionskosten zu konkurrieren, und deshalb muß man den Produkten eine höhere oder besondere Qualität verleihen - und Design ist hierfür ein sehr geeignetes Mittel. Wir versuchen der Industrie klarzumachen, daß Design nicht ein Kostenfaktor ist, sondern eine Investition. Darin liegt schon auch der Keim zur Erkenntnis, daß Design nicht nur operationell als Produktionsprinzip zu verstehen ist, sondern ein strategischer Werte sein kann. Design kann als Innovation, branding, und als eine Schöpfung von Werten einen Unterschied ausmachen und dabei die Identität des Unternehmens entwickeln: Wofür stehen wir, mit welchen Werten in den Produkten können wir uns identifizieren? Design soll nicht am Ende der Entwicklung von Produkten stehen, sondern am Anfang.

Man könnte glauben, daß dies nur für private Betriebe gilt. Welche Rolle spielt Design für den öffentlichen Bereich?

Heute befindet sich der ganze öffentliche Bereich auch auf einem Markt. Gab es früher eine relative Gleichheit zwischen den öffentlichen Instanzen wie Stadtverwaltung, größeren Landeskreisen und dem Staat, müssen sich heute jeder Teil der öffentlichen Verwaltung sichtbar machen, um seine Existenz zu rechtfertigen. Seit Mitte der neunziger Jahren arbeitet man zum Beispiel daran, das äußere Bild des Staatsapparates zu überarbeiten: Die königliche Krone und die traditionelle Heraldik sind nach langer Abwesenheit in der graphischen Kommunikation des Staats zurückgekehrt, und die Idee hierbei ist, dem Staat eine neue Art von entgegenkommender, zeitgenössischer Autorität zu verleihen. Das Projekt ist bis jetzt erfolgreich, unter anderem, da die Behörden sich auch um ihre übrige Kommunikation bemüht haben und auf diese Weise den Bürgern entgegengekommen sind. Es ist übrigens interessant, daß die Ausstellung über das ganze Projekt, die die ausführenden Designfirma Kontrapunkt produziert hat, ein großer Erfolg in Japan ist - und der Grund dazu ist vermutlich, daß es im Moment in Japan viele Probleme mit dem Verlust von sowohl persönlicher, als auch staatlicher Identität gibt.
   
Wie steht es mit Design in Hinblick auf die erhöhten Anforderungen, die heute an Produkte gestellt werden, zum Beispiel in Bezug auf die Umweltfreundlichkeit?

Es ist wahr, daß hierin eine große Herausforderungen besteht. Design gehört mit der technologischen Entwicklung und der Rücksicht auf die Umwelt zusammen. Analysen von den Lebenszyklen und dem Verbrauch von Rohstoffen sind heute ein natürlicher Teil des Produktionsprozesses - oder sollte es jedenfalls sein.

Natürlich liegt hier eine Herausforderung für die professionellen Designer. Sie müssen mit mehreren Parametern in der Entwicklungsarbeit operieren und Produkte machen, die nicht nur umweltfreundlich, sondern auch funktionell und ästhetisch überzeugend sind. Die neuen Produkte müssen bezüglich Haltbarkeit und Funktionalität mit den traditionellen Produkten mithalten können, sonst können sie sich am Markt nicht durchsetzen.

Wenn wir jetzt die Erneuerung vom dänischen Design angesprochen haben: Wie ist sie zu vollziehen?

Die Tradition der fünfziger und sechziger Jahre blockiert gewissermaßen auch für die neue Generation von Designern, die ein großes Potential besitzt. In einer Erneuerung der Tradition dürfen wir jedoch nicht das Vorherige verneinen, sondern es als Grundlage für eine Weiterführung und Aktualisierung mit neuen Bedingungen verwenden. Da die alten Werte - Funktionalität, Freundlichkeit den Benutzern gegenüber, ein menschliches Gefühl von Form, Haltbarkeit - ja sowieso immer noch Gültigkeit haben, besteht die zukünftige Herausforderung darin, diese Werte in konkrete Produkte zu transformieren. Man kann dies natürlich als Programm oder Strategie formulieren - und das tun wir auch am Dänischen Design Zentrum - die wirkliche Arbeit mit Design ist jedoch immer eine Form der Praxis. Auch hier ist vieles schon getan worden, da es auch in der jüngsten Zeit hervorragendes Design gegeben hat, es gibt aber immer noch viel zu tun.

Natürlich stellt sich hier eine entscheidende Frage. Woher kommt Qualität, und was evoziert Qualität? Einerseits muß industrielles Design immer ohne Kompromisse gemacht werden, andererseits soll man aber immer die spezifischen Zielgruppen berücksichtigen. Der Begriff von Qualität wird ausgedehnt, wenn Zielgruppen auch Teil des Designprozesses sind. Die Dialoge mit den Verbrauchern werden stets wichtiger.

Hinzu kommt auch, daß es in Dänemark eine besondere Designpolitik gibt. 1997 wurde das erste vierjährige Programm als eine visionäre Manifestation in Gang gesetzt, und die Politik wird im Moment einer Revision unterzogen, um 2002-2004 in einem neuen Programm aufgelegt zu werden. In der bisherigen Politik bestand das Ziel allgemein darin, daß Dänemark internation konkurrenzfähiger werden solle. Hierbei spielen der Dialog mit der Industrie, das Erscheinungsbild des öffentlichen Bereiches und die Förderung junger Talente eine zentrale Rolle.

Die Arbeit mit Wissen und Intelligenz in Produkten, oder auch mit Produkten, die selber Wissen sind, ist auch Teil eines größeren Paradigmenwechsels in der Gesellschaft. So gesehen steht das Dänische Design Zentrum nur für eine Initiative unter vielen. Im weiteren Zusammenhang gibt es im Moment auch ein Projekt mit dem Thema 'Das kreative Potential Dänemarks', bei dem es darum geht, einen wechselseitigen Austausch zwischen Kultur und Wirtschaftsleben zu fördern. Das folgt der generellen Tendenz in der Gesellschaft, daß Industrie nicht nur auf Produkte ausgerichtet ist, und Kultur nicht nur von Geist handelt - es gibt heute viele Nenner, unter anderen die Frage nach Werten und Identität.

Abschließend: Warum ist Design wichtig?

Design macht einen gesellschaftlichen Unterschied aus. Nicht nur für die Wirtschaft eines Landes, sondern auch für seine Einwohner. Es geht hier grundsätzlich um Werte und um die stete Entwicklung dieser Werte, so daß sie im Einklang mit ihrer Umgebung sind. Auf diese Weise wird auch deutlich, daß Design nichts mit dem sogenannten styling zu tun hat, und nicht nur für diejenigen sein soll, die es sich leisten können.

Einerseits hat Design dabei vieles mit Sichtbarkeit zu tun, weil Produkte mit gutem Design besser auf dem Markt konkurriert, andererseits kann man sagen, daß Design allmählich - je verbreiteter es ist - unsichtbar wird. Design hat einen wirklichen Wert, wenn zum Beispiel ein Mülleimer von einem guten Design geprägt ist. In dieser Weise ist Design heute breiter und allgemeiner zu fassen als früher - sein Wert hat eine größere Reichweite.

Ulla Hovgaard Ramlau ist seit kurzem Direktorin des Dänischen Design Zentrums in Kopenhagen. Das Gespräch führte Mads Nygaard Folkmann.


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