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CAMILLA HJERL
JUNGES DESIGN (2): NEUE DESIGN-IDEOLOGIEN

Wenn man einen Blick auf die jüngste Generation dänischer Designer wirft, ergibt sich ein außergewöhnlich vielfältiges und kreatives Bild. Es gibt eine Reihe interessanter und experimenteller Designer, denen es gelingt, eine öffentliche Plattform für ihr Design zu finden und damit andere Designer dazu motivieren, einen ähnlichen Weg zu beschreiten. Es ist jedoch nur ein bescheidener Teil, dem es wirklich gelingt, die Ideen zur Produktionsreife zu bringen.

Im harten Wettbewerb entscheiden sich viele Designer, sich mit Kollegen zusammen zu tun und eine Gruppe zu bilden. Der Vorteil einer solchen Gruppe liegt unter anderem darin, daß es gemeinsam leichter fällt, sich zu profilieren. Außerdem gelingt es vielen Gruppen, eine gemeinsame Design-Ideologie zu definieren, mit der man sich von anderen Designern abgrenzen und eine eigene Identität aufbauen kann.

Ein Beispiel hierfür ist die Designergruppe Kropsholder (Körperhalter). Kropsholder ist gemäß der Eigendefinition ein Laboratorium für experimentelles Möbeldesign, an dem 14 nordische Möbeldesigner beteiligt sind. Kropsholder wurde 1997 mit dem Ziel gegründet, einmal pro Jahr ein gemeinsames Projekt zu realisieren. Die Gruppe realisiert Ausstellungen, in denen Möbeldesign präsentiert wird, das sich nicht in kommerziellen oder finanziellen Erfolgskriterien messen lassen will, sonder sich auf die Poesie, die Phantasie und das Spielerische konzentriert. Alle Möbel sind Prototypen, die neue Wege im Industrial Design suchen.

Ein weiteres Beispiel ist die Designergruppe SUM, die aus sechs jungen Designern besteht: Keramikern, Tekstildesigner und einem Produktdesigner - alle in den vergangenen drei Jahren Absolventen an der Designschule in Kolding. Bis heute steht die Gruppe für eine spannende Serie von Haushalts-Produkten (Töpfe, Teller, Bestecke, Tischdecken usw.), die unter dem Markennamen SUM läuft. Die Stärke der Designergruppe liegt darin, daß es ihnen gelingt, Einfachheit und Ehrlichkeit mit den modernen Anforderungen an Dynamik und Funktionalität zu vereinen.

Eine besondere Erwähnung verdient das Design-Büro e-types, das Schrifttypen, Identitätsprogramme, Filmtitel und Zeitschriften entwickelt. e-types wurde 1997 von einer Gruppe junger Designer gegründet, die bereits in der Studienzeit gemeinsam an der Gründung eines eigenen graphischen Workshops gegründet haben. e-types ist in der dänischen Medienbranche für innovatives Typeface-Design wohlbekannt, was unter anderem im vergangenen Jahr mit dem Dänischen Designpreis für die visuelle Identität des Dänischen Filminstituts honoriert worden ist.

Natürlich gibt es unter den jungen Designern auch eine Reihe von Einzelkämpfern, denen es unter Umständen gelingt, Partner in der Industrie zu finden, die an einer Produktion der Ideen interessiert sind. Eine der erfolgreichsten Designer dieser Tage ist der Möbeldesigner Hans Sandgren Jakobsen. Sein Stil kann als einfach und funktional beschrieben werden - oder wie er selbst es formuliert: "Die Idee tritt am klarsten zutage, wenn man sie bis auf die Knochen rasiert." Der Hocker "Gallery" ist das wohl beste Beispiel hierfür. Hierbei ist das Holz bis an die Grenzen der Materialbelastbarkeit gespannt worden, so daß sich der Hocker als Skulptur in sich selbst darstellt.

Anne Heinsvig ist eine der ganz neuen jungen Designer, die sich gerade ihren Weg nach oben bahnen. Sie hat drei Jahre lang für das Möbelhaus GUBI in Kopenhagen gearbeitet und neben der Arbeit Möbel gestaltet. Unter anderem hat sie das klassische dänische Juno-Kinderbett aus den fünfziger Jahren in ihrem Sallyseng (Sallybett) neu interpretiert. Ein Acryl-Regal, das Heinsvig gestaltet hat, soll in absehbarer Zeit bei IKEA in die Produktion gehen. Heinsvig sucht das besondere Verhältnis zu Farben, und die von ihr gestalteten Formen sind gefühlvoll und menschlich. Eine ihrer Grundlagen ist, daß jedes Design zu mehr imstande sein müsse, als nur gut auszusehen. So bieten ihre Möbel stets Möglichkeiten, zusammengeklappt oder -geschoben zu werden.

Obwohl Dänemark ein kleines Land ist, ist augenfällig, wie viele neue Entwicklungen es im dänischen Design gibt. Natürlich sind wir nach wie vor vom Goldenen Zeitalter des dänischen Designs inspiriert, wir scheuen uns aber auch nicht davor, Strömungen aus dem Ausland aufzugreifen. Wahrscheinlich ist das dänische Design so weit gekommen, weil es immer in unserer Art lag, eine Masse von Ideen auszuprobieren und stets suchend und neugierig zu sein. Wahrscheinlich ist es eben diese Eigenschaft, in der die Zukunft des dänischen Designs zu suchen ist.

Camilla Hjerl arbeitet als Grafikerin und Designerin in Kopenhagen.


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