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THOMAS HERTZ
BENUTZERFREUNDLICHKEIT – EINE DÄNISCHE WARENMARKE

Dänemark verfolgt das klar gesteckte Ziel, eine der führenden IT-Nationen zu sein. Bis zu diesem Ziel muss noch ein gewisser Weg zurückgelegt werden. Dänemark hat aber schon jetzt einen Namen als Vorreiter und Initiator von IT-Projekten zu sein. Und wir sind bekannt dafür, hohe Standards für gutes IT-Design zu setzen, bei denen die Benutzerfreundlichkeit an oberster Stelle steht.

Dänemark ist ein Land mit soliden demokratischen Traditionen, die bereits heute mit den Möglichkeiten weiterentwickelt werden, die das Internet für den Dialog mit den Bürgerinnen und Bürgern bietet. Und wir haben stolze Traditionen in der Architektur und dem Möbelhandwerk, in denen Design und Funktionalität auf elegante Weise miteinander verschmelzen. Die Herausforderung, die uns das Design stellt, gilt in gleicher Weise im Netz. Und wir sind dabei, sie anzunehmen.

Doch was ist eigentlich IT-Design? In diesem Artikel wird IT-Design mit Webdesign gleichgesetzt: Design, das sich in digitaler Form präsentiert. Aufgelöst in Pixel und Punkte, die gemeinsam ein interaktives Bild auf dem Schirm bilden, die Benutzeroberfläche des Webmediums.

Was ist dann dänisches Webdesign? Es ist wohl nicht möglich, von „dänischem Webdesign“ oder vielleicht von „italienischem Webdesign“ usw. zu sprechen. Dafür gibt es verschiedene Gründe.

Erstens ist das Webmedium und –design noch sehr jung. Es ist im großen Maße von den Begrenzungen geprägt, die durch die Technologie und die an die Browser geknüpften Konventionen gesetzt werden, aber auch von dem heftigen Experimentieren mit den Ausdrucksformen des Mediums.

Zweitens verfügt das Medium über eine Dynamik und ein hohes Entwicklungstempo, die es kaum vorstellbar erscheinen lassen, dass sich so etwas wie bestimmte Konventionen oder nationale Züge herausbilden können. Dies wird dadurch verstärkt, dass das Medium Zugang zu enormen Mengen an Wissen und Inspiration in einem chaotischen virtuellen Universum bietet, in dem nur die Regeln und Begrenzungen gelten, die durch die Phantasie und die Technik gesetzt werden.

Und drittens ist das Internet ein Spiegelbild der fortschreitenden Globalisierung, in der nationale Unterschiede, Grenzen und kulturelle Züge verwischt werden.

Das alles ändert aber nichts daran, dass es bereits heute richtig viele gute Beispiele dafür gibt, wie dänische Designtraditionen im neuen Medium fortgeführt werden. Beispiele, die demonstrieren, dass wir es verstehen, den fachübergreifenden und nuancierten Ansatz zu nutzen, den wir auch in so vielen anderen Bereichen pflegen. Mit Erfolg. So wie Einfachheit, klare Linien und Funktionalität in Henning Larsens Architektur, Poul Kjærhoms Möbelkunst oder B&O’s weltbekanntem Design zu einer höheren Einheit verschmelzen.

Langweilig oder poppig

Der Däne Jacob Nielsen, der für seine Bücher über Webdesign und Usability international bekannt ist, predigt das funktional bestimmte Webdesign. Für Jacob Nielsen handelt Webdesign insbesondere davon, dem Nutzer einen einfachen Zugang zu den Informationen im Netz zu ermöglichen. Am anderen Ende der Skala findet man Webprojekte wie zum Beispiel k10k.net, die eine Haltung zum Webdesign einnehmen, die auf die Schaffung von Erlebnisuniversen im Medium ausgerichtet sind. Die Nutzer sollen gefangen und festgehalten werden, indem ihre Neugierde und ihre Sinne angeregt werden.

Muss es eine Frage des Entweder-Oder sein? Natürlich nicht. Gute Kommunikation ist immer eine Frage danach gewesen, ob man das Hirn oder das Herz ansprechen möchte. Den Intellekt oder die Gefühle. Man kann natürlich die verschiedenen Wirkungsmittel, abhängig von Intention und Zielgruppe, gegeneinander abwägen. Die Pointe besteht derweil darin, dass Funktionalität nicht notwendigerweise langweilig und unästhetisch sein muss. Ebenso wenig, wie eine Seite poppig oder flashy sein muss, um an die Gefühle zu appellieren.

Das dänische Webdesign befindet sich auf dem richtigen Weg, in diesem Spannungsfeld eine besondere Position einzunehmen. Nicht mit einem bestimmten Stil, sondern mit der Fähigkeit, das Webdesign so auzubalancieren, dass es sowohl funktional und modern ist, aber gleichzeitig die Sinne des Nutzers anzusprechen. Ein Design, das die Möglichkeiten zur Verwendung von Lauten, lebendigen Bildern und anderen visuellen Effekten ausnutzt. Der Schwerpunkt liegt auf dem Nutzen ebenso wie auf dem Erlebnis, also auf der Benutzerfreundlichkeit anstelle der bloßen Nutzung technischer Möglichkeiten allein der Technik zuliebe.

Das virtuelle Kunstmuseum

Ein Beispiel für Webdesign, das um eine Balance zwischen Funktionalität und Erlebnis bemüht ist, ist das „Virtuelle Kunstmuseum“ (www.detvirtuellekunstmuseum.dk), das vom Staatlichen Kunstmuseum (Statens Museum for Kunst) in Kopenhagen in Zusammenarbeit mit dem Kommunikationsbüro Bysted HQ A/S entwickelt worden ist. Zweck der Homepage ist es, ein virtuelles Museum zu schaffen, in dem die Nutzer Kunst erleben, Informationen über einzelne Werke recherchieren und eine eigene Ausstellung zusammenstellen können.

Und es gibt noch weitere Beispiele, die zeigen, dass es sich lohnt, auf die dänischen IT-Trends zu achten. Das betrifft nationale Projekte wie zum Beispiel das „Projekt Digitale Verwaltung“ (Projekt Digital Forvaltning; www.fm.dk/udgivelser/publikationer/digitalforvaltning/), dessen Ziel es – einfach ausgedrückt – ist, mehr Leistungen für das selbe Geld zu bieten. Oder das „CultureNet Denmark“ (www.culturenet-denmark.dk) und „Das beste im Netz“ (Bedst på nettet, www.bedstpaanettet.dk), die beide internationale Preise unter anderem für ihre Benutzerführung gewonnen haben. Aber auch ein dynamisches kommerzielles und kulturelles Webumfeld trägt im hohen Maß dazu bei, das Medium und dessen Design in Dänemark voranzutreiben.

Allen Initiativen und Projekten ist gemein, dass sie das Internet in politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Zusammenhängen nutzen und verbreiten. Wenn Webdesign so verdammt interessant und wesentlich ist, dann liegt das daran, dass alle diese Projekte davon abhängig sind, dass das Design – die Benutzeroberfläche und die Kommunikation – funktionieren.

Und nicht zu vergessen: Letztlich wird der Nutzen und das gute Webdesign dadurch bestimmt, ob der Nutzer es wertschätzt, es navigieren kann und es auch anwendet.

Thomas Hertz ist Direktor des Kommunikationsbüros Bysted HQ A/S.


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