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Kennzeichen DK


BENDT BENDTSEN
THEMENHEFT "ARCHITEKTUR": EINE FRAGE DER QUALITÄT


Wenn sich die aktuelle Ausgabe von Kennzeichen DK der dänischen Architektur und Stadtplanung widmet, dann denkt man zunächst unweigerlich an einer der größten dänischen Architekten, der in diesem Jahr seinen 100. Geburtstag gefeiert hätte: Arne Jacobsen.

Arne Jacobsen ist es mit großen Visionen und einer einmaligen Begabung für Form, Material und Funktion gelungen, eine Architektur und ein Design von solcher Qualität und solchem Charakter zu schaffen, dass er weltweiten Respekt und Bewunderung auf sich gezogen hat. Er ist auch einer der wesentlichen Grüne dafür, dass dänisches Design und dänische Architektur heute einen derart guten Ruf genießen.

Es ist klar, dass wir gut daran tun, diese stolze Architektur- und Designtradition, zu deren Entstehen Arne Jacobsen beigetragen hat, weiterzuführen. Wir müssen sie entwickeln, weiter auf ihr bauen und aus ihr lernen.

In Dänemark gibt es eine Tradition, beim Bauen auf Qualität zu setzen, und wenn es um architektonische Qualität geht, sind wir - auch international gesehen - immer noch gut mit im Rennen. In den letzten Jahren ist die Qualität der Architektur jedoch in verschiedenen Zusammenhängen in Frage gestellt worden. Zugleich wurde auf eine Reihe funktionaler und ästhetischer Probleme mit unserer physischen Umgebung hingewiesen worden.

Deshalb müssen wird ständig darauf achten, hohe Anforderungen an die Qualität in der Architektur und in der Bautechnik zu stellen. Heute achtet man darauf, die Produktion effizient und preiswert zu gestalten. In diesem Prozess ist es wichtig, dass die Qualität nicht in Kompromissen preisgegeben wird. Die Qualität muss weiterhin ausschlaggebend für unsere Städte und Gebäude sein.

Es ist erfreulich zu sehen, dass die Tendenz dahin geht, dass sowohl der Staat als auch die Gemeinden größere Anforderungen an die Qualität der Gebäude stellen, sei es bei Renovierungen, Erneuerungen oder auch beim Neubau. Es ist wichtig, an dieser Entwicklung festzuhalten und sie zu stärken.

Über die Jahre hinweg haben wir uns sehr darum bemüht, Modelle und Werkzeuge zu entwickeln, die eine hohe Gebäudequalität sichern und gleichzeitig die Produktion effizienter gestalten und die Gebäude preiswerter machen. Dies ist eine wichtige und zugleich schwierige Herausforderung, der sich die Regierung in verschiedenen Bereichen annehmen wird.

Die Industrialisierung ist einer der Ausgangspunkte für die qualitätsbewusste Rationalisierung des Bauwesens. Doch auch hier ist ein gestiegener Bedarf an individuell angepassten Produkten zu verzeichnen. Der Wettbewerb hat zugenommen und die Lebensdauer ist gesunken. Das bedeutet für das einzelne Unternehmen, dass ein variiertes Angebot an den Kunden und eine intern effiziente rationalisierte Produktstruktur vonnöten ist.

Man muss standardisieren, um in großen Mengen produzieren und gleichzeitig eine große Variation an kundenwunschorientierten Produkten meistern zu können. Eines der besonders interessanten Elemente in diesem Prozess ist unter anderem die IT-Technologie. Sie schafft einerseits zahlreiche interessante Möglichkeiten zur Formgebung und ebnet andererseits neue, rationelle Wege zur Produktion unserer Gebäude.

Die Regierung setzt auch Schwerpunkte auf die Stadtentwicklung und das Wachstum der dänischen Regionen. Die Entwicklung der letzten Jahre hat uns gelehrt, dass es entscheidend ist, Instrumente zu entwickeln, mit denen die dänischen Städte attraktiver für die Bewohner und die Wirtschaft gestaltet werden können. Die Mobilität der Arbeitskräfte stellen große Anforderungen an die Stadt: Investitionen und neue attraktive Erwerbszweige müssen attrahiert werden und damit auch die qualifizierten, gut ausgebildeten Arbeitskräfte.

Hieraus ergibt sich ein verstärkter Druck auf die Stadt als Lieferantin kultureller, intellektueller und freizeitorientierte Herausforderungen. Lebensstil und persönliche Entfaltung sind für talentierte Menschen, die in ihrer Wahl des Wohn- und Arbeitsortes eine freie Wahl haben, von Bedeutung. Die gut ausgebildete Arbeitskraft wird von gut funktionierenden Städten, qualitativ hochwertigen Wohnungen, guten Institutionen, einer guten Infrastruktur und einem guten Stadtumfeld mit reichen Möglichkeiten für Freizeitaktivitäten in einer schönen Umgebung angezogen.

Deshalb sind unsere Städte und ländlichen Gebiete in immer höherem Maße ein Parameter für die Wettbewerbsfähigkeit von Regionen, attraktive Unternehmen und Arbeitsplätze anzuziehen. In diesem Licht gesehen, meine ich, dass es einer übergreifenden Politik bedarf, die Zusammenhänge zwischen Planung, Stadterneuerung, Bauwesen und Wirtschaftspolitik herzustellt. Wir müssen die Bedürfnisse und Anforderungen freilegen, die dänische Bürger und Unternehmen in diesen Bereichen haben.

Mir ist bekannt, das in diesem Sommer in Berlin der Weltkongress der Architekten stattfindet und dass hier unterem die nordischen Werte in der Architektur auf der Tagesordnung stehen. Hier hat Dänemark wie auch in den anderen nordischen Ländern eine willkommene Möglichkeit, der Welt eine Reihe der Bereiche zu präsentieren, auf denen wir besonders gut sind.

Bendt Bendtsen ist dänischer Minister für Wirtschaft und Nordische Zusammenarbeit.


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