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VIBEKE GRUPE LARSEN
NACHHALTIGES WIRTSCHAFTEN: NORDISCHE ARCHITEKTUR ALS RESSOURCE
Eine nachhaltig wirtschaftende Gesellschaft kann nur dann Fuß fassen, wenn die Nachhaltigkeit als attraktiv empfunden wird. Es ist die Aufgabe der Architekten, die architektonischen Lösungen zu schaffen, die eine Entwicklung gesunder, attraktiver und interessanter Landschaften, Städte und Wohnungen ermöglichen. Umweltbewusst zu denken stellt nämlich eine zusätzliche Dimension in der architektonischen Arbeitsmethode dar. Nachhaltig zu denken erfordert neue Denkweisen. Neue Wege, bekannte Materialien zu interpretieren - materialsparende Konstruktionen, die ein neues architektonisches Erlebnis erzeugen, einzubeziehen - Minimalismus, Stärke durch Form, Tageslichtoptimierung, natürliche Ventilation, Sonnenschutz, transparente Isolierung, Verwendung vorgefertigter Elemente. Regional zugängliche, natürliche, abbaubare oder wiederverwendbare Materialien, die eine Basis für Stofflichkeit bieten. Installationen werden auf das absolut notwendige beschränkt. Eine nachhaltige Designphilosophie eröffnet Möglichkeiten für eine Architektur, die von der Seele kommt und nicht nur eine Modeströmung ist. Der gesunde Verstand, den wir als Ratgeber normalerweise in Einklang mit der Ästhetik zu walten lassen versuchen, wird bis zur äußersten Konsequenz beansprucht, wenn wir nachhaltig denken wollen.
In Nordeuropa gibt es eine gute und lange Tradition für nachhaltige, gesunde und gute Wohnungen, die unter Architekten und Bauherren im Ausland hohen Respekt und Bewunderung genießen. Diese Tradition geht insbesondere von der Berücksichtigung der Architektur als Ganzes aus, das heißt: im Zusammenspiel zwischen Mensch, Klima, Licht, Ort und Material. Die verschiedenen nordischen Naturcharakteristika haben seit jeher auch als Generator für die Architekturcharakteristika in den Nordischen Ländern gedient.
Wie aber können diese Traditionen in einer Zeit weitergeführt und angepasst werden, in der internationale Architekturströmungen, ein explosives Anwachsen der Anzahl neuer Baumaterialien und die Forderung nach erhöhter Produktivität, niedrige und international wettbewerbsfähige Preise die nordische Baukultur beeinflussen und im zunehmenden Maße die Rahmenbedingungen für die architektonische Qualität bestimmen - ungeachtet der Tatsache, dass die nordische Architektur sowohl hier als auch im Ausland bewundert wird und dazu beitragen konnte, funktionierende Stadtgebiete zu schaffen und zur Lösung wohnungssozialer Problemstellungen zu finden?
Im Juli und August 2002 wird im Felleshus der Nordischen Botschaften in Berlin eine Ausstellung über Nachhaltigkeit in der nordischen Architektur gezeigt. Ziel der Ausstellung ist es, die subtilen Qualitäten, die in der nordischen Architekturtradition liegen, zu bestimmen und sichtbar zu machen.
Die Ausstellung verfügt über einen gemeinsamen Rahmen, der auf drei Größen basiert, die das Bauen kennzeichnen: Landschaft - Bebauung - Bauwerk. Innerhalb dieses gemeinsamen Rahmens zeigen die nordischen Länder charakteristische Beispiele für nachhaltige Architektur, realisiert nach 1995, mit einem Schwerpunkt auf Wohnungsbau. Die Projekte werden demonstrieren, wie es möglich sein kann, die Umweltbelastung zu vermindern und gleichzeitig architektonische Qualität zu erreichen. Außerdem werden weitere Beispiele für nachhaltige Architektur in einer nordischen Datenbank, die in der Ausstellung zur Verfügung stehen wird, zugänglich sein.
Die Ausstellung wird vom 4. Juli bis zum 1. September im Felleshus der Nordischen Botschaften in Berlin zu sehen sein. Ergänzt wird die Ausstellung durch ein Seminar und einem Architekten-Empfang am 25. Juli. Die Ausstellung wird Bestandteil des Rahmenprogramms zum Weltkongress des Internationalen Architektenverbandes UIA, der in der Zeit vom 22. bis zum 26. Juli stattfinden wird, sein. Zum Kongress werden 10-15.000 Teilnehmer aus aller Welt erwartet. Thema ist "Ressource Architecture" - der Kongress wird sich also gezielt mit der Entwicklung und den Strategien einer nachhaltigen Architektur auseinandersetzen.
Weitere Informationen über den Kongress und das Rahmenprogramm können im Internet unter
www.uia-berlin2002.com abgerufen werden.
Vibeke Grupe Larsen (Architekt
MAA) ist Koordinatorin des Nordischen Umweltnetzwerks (Nordisk
Miljønetværk) der Nordischen Architektenvereinigungen. Sie ist
ausserdem Vorsitzende des Umweltausschusses, Dänischer
Landesverband der Architekten/Akademische Architektenvereinigung.
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