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CAMILLA HJERL
BAUEN IN DER ZUKUNFT (2): LEBEN IN DER BOASE


Wenn es nach den acht jungen Design- und Architekturstudenten der Gruppe Force4 geht, werden wir schon bald in Pfeilerhäusern über den Baumwipfeln wohnen. Wie das funktionieren soll, zeigen sie mit ihrem preisgekrönten Projekt Boase (zusammengesetzt aus "bo" = "wohnen" und "Oase"), das im Juni vergangenen Jahres die vom Dänischen Bauforschungsinstitut By & Byg und der Architektenschule der Kunstakademie, der Architektenschule in Århus, der Dänischen Designschule und der Designschule Kolding ausgeschriebene Preisaufgabe "Wohnungen der Zukunft mit Schwerpunkt auf nachhaltiger Wirtschaftlichkeit und Zugänglichkeit" gewonnen und im Oktober 2001 den "Visionspreis des dänischen Designs" erhalten hat.

Boase ist ein Projekt, das sich auf den Gedanken stützt, dass es in den stadtnahen Gebieten in Dänemark viele umweltbelastete Gelände gibt und dass es an den Mitteln fehlt, diese Gelände wieder für die Bewohnung nutzbar zu machen. Durch das Pflanzen von Weiden und Pappeln, die den Boden reinigen und die schnell wachsen, und durch das Pflanzen von Eichen und Erlen als bleibende Bewachsung, kann man allmählich eine bleibende Oase inmitten der Stadt schaffen.

Damit das möglich wird, werden die Häuser aus industriell vorgefertigten Leichbauteilen hergestellt. Ihre Größe erlaubt es, dass sie direkt in den Baubereich eingeflogen und installiert werden können. Hierdurch wird eine Beschädigung des bepflanzten Bereiches verhindert. 

Es gibt eine Reihe weiterer technischer Details, wie zum Beispiel, dass die Säulen zugleich dazu dienen, die Abwässer in den Boden leiten, wo sie den Pflanzen Nahrung geben und den Reinigungsprozess beschleunigen. Die Bewohnung und die Bepflanzung gehen somit einen gemeinsamen Kreislauf ein.
Mindestens so wichtig wie die Konstruktion der Häuser ist jedoch, dass sich die Bewohner aktiv am Projekt beteiligen und das Leben in der Gemeinschaft vor die individuellen Interessen stellen. Damit gibt die Wohnung der Zukunft auch einen Hinweis darauf, wie die soziale Hierarchie der Gesellschaft gestaltet werden kann. Man kann natürlich in Zweifel ziehen, ob es einer Änderung der bestehenden Wohnverhältnisse bedarf. Die Boase soll dazu beitragen, diese Frage zu beantworten, indem sie Bevölkerungsgruppen miteinander in Kontakt bringt, die normalerweise keine Zeit aufeinander verwenden würden. 
Ein weiterer Aspekt kommt zum Tragen: Schaut man auf die Geschichte der Stadtentwicklung, dann stützte sich das Stadtleben vor den Reihenhäusern und endlosen offenen Vorstädten auf eine kompakte Lebensweise mit geringen Abständen. Man lebte nah beieinander, in die Höhe und unter beengten Verhältnissen. Das tat man in Kopenhagen, bevor 1857 die Stadtmauer fiel, und das tat man auch weiter im 20. Jahrhundert bis hinein in die fünfziger Jahre, in denen das tradierte Stadtleben allmählich Auflösungserscheinungen zeigte. Mit Boase soll es gelingen, die positiven Aspekte des compact-living - über den Baumwipfeln - wieder auferstehen zu lassen. 

Camilla Hjerl arbeitet als Architektin und Graphikerin in Kopenhagen. Seit 1999 gestaltet sie Kennzeichen DK.


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